Roma Genocide – Young Europeans commemorating extermination of the Roma during the Holocaust

02/08/2010 22:31 0 comments

Roma Genocide – Young Europeans commemorating extermination of the Roma during the Holocaust

Vom 31. Juli bis zum 3. August 2010 nahm ich an einem von der europäischen Roma-Jugendnetzwerk Ternype organisierten Workshop zum Genozid an den Roma während des Zweiten Weltkrieges teil. Da wir im Rahmen des Projektes das Museum Auschwitz-Birkenau besuchen wollten, fand die Veranstaltung im polnischen Krakau statt. Junge Menschen aus vielen Ländern Europas nahmen an dem Workshop teil.

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 Nachdem am Samstag alle nach und nach eingetroffen waren und sich ein wenig kennengelernt hatten, fand am Sonntag der erste Teil des Projektes statt. Wir fuhren gemeinsam nach Tarnów und besuchten dort eine Ausstellung über Roma, die Adam Bartosz der Leiter des Museums zusammengestellt hatte. Adam Bartosz nahm sich sehr viel Zeit für uns und berichtete der Gruppe über seine Arbeit und insbesondere über das von ihm mitinitiierte Projekt der „Roma Caravan Memorial“. Seit 1996 finden diese Gedenkumzüge statt, die von Adam Bartosz und dem Kulturzentrum der Roma in Tarnów ins Leben gerufen wurden. Wie wir während eines Vortrags erfuhren, waren während des Zweiten Weltkriegs viele Roma gar nicht erst in die Konzentrationslager gekommen, sondern durch Massenerschießungen an ihren Lagerplätzen, in der Nähe der Dörfer, wo sie wohnten, oder in Wäldern ermordet und in Massengräbern begraben worden. Adam Bartosz setzt sich dafür ein, dass an diesen Orten Gedenktafeln aufgestellt werden und in Umzügen mit Pferdewagen sucht er mit anderen Leuten jedes Jahr diese Orte auf, um der ermordeten Menschen zu gedenken. Ergänzt wurde dieser Vortrag durch den Film „The Forgotten Holocaust“, in dem Roma über die Verfolgung und das Leid sprechen, die sie in den Vernichtungs- und Konzentrationslagern erfahren haben.

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Am Nachmittag setzten wir uns mit dem Wissen über die Verfolgung der Roma durch die Nazis auseinander. Die Teilnehmer_innen erzählten, ob es Wissen über den Genozid innerhalb der Roma-Communities gibt und ob und wie in den Schulen darüber gesprochen wird. In meiner Kleingruppe zeigte sich, dass nur sehr wenig Informationen über die Verfolgung der Roma in den Communities vorhanden sind und dass diese in machen Ländern und Communities sogar ganz fehlen. Eine junge Frau aus Rumänien sagte, dass sie, bevor sie selber begonnen hatte, sich in einer Organisation zu engagieren, noch nie etwas vom Holocaust gehört hatte. Auch die Schulen scheinen diese Wissenslücken nicht zu füllen, da aus den einzelnen Ländern berichtet wurde, dass meist nur am Rande oder überhaupt nicht von der Vernichtung der Sinti und Roma die Rede ist.

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Am nächsten Tag, dem 2. August, dem 66. Jahrestag der Auflösung des sogenannten „Zigeunerlagers“ und der Ermordung aller dort verbliebenen Häftlinge, fuhren wir nach Oswiecim ins Staatsmuseum Auschwitz-Birkenau. Ich glaube, dass es ganz unterschiedlich war, wie die Erfahrungen dieses Tages auf die einzelnen wirkten. Mir fiel es immer noch schwer, das Ausmaß dieser Verbrechen zu begreifen. Als ich vor einem Haufen Brillen stand, die dort vergasten Menschen gehört hatten, war es mir immer noch unmöglich, mir all die Menschen vorzustellen, die diese Brillen getragen hatten, mir vorzustellen, wie sie ausgesehen haben mochten und was für Leben sie geführt hatten, bevor sie hierher gebracht worden waren. Die Brillen waren vermutlich nur die Brillen von einem einzigen Tag, von einem einzigen Transport, der in Auschwitz angekommen war, doch nicht einmal dafür reichte mein Vorstellungsvermögen aus.

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Wir sahen uns die Ausstellungen an, erfuhren von den mehr als 20 000 Roma, die hier ermordet worden waren und hörten den Bericht einer Frau, die das Leid mehrerer Konzentrationslager überlebt hatte und noch im hohen Alter die Verantwortung fühlte, über ihre Erfahrungen zu sprechen, damit sie nicht in Vergessenheit gerieten.

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Am Ende des Tages gingen wir zu dem Mahnmal, das am Ort des ehemaligen „Zigeunerlagers“ errichtet worden war, um den ermordeten Opfern zu gedenken. An der Gedenkfeier nahmen außer uns und Gruppen von jugendlichen Roma aus Polen und Rumänien auch die Ministerin für Gleichstellungsfragen Elzbieta Radziszewska’s, die Beauftragte für nationale und ethnische Minderheiten in der Mapolska Region Elzbieta Mirga-Wojtowicz und Andrzej Mirga vom OSCE/ODHIR teil.

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 Nach diesem sehr bewegenden Tag kamen wir am letzten Tag des Workshops im Jüdischen Kulturzentrum in Krakau zusammen, um über das Gesehene und Erlebte zu sprechen, aber auch um die Bedeutung des Genozids und die Erinnerung daran für Jugendliche im heutigen Europa zu diskutieren. Eingeleitet wurde der Tag durch Vorträge von Andrzej Mirga und Markus End. Andrzej Mirga sprach über die Verfolgung der Roma während des Zweiten Weltkrieges und zeigte welche Materialien es dazu schon gibt, die zu einer Verbreitung des Wissens eingesetzt werden können (siehe zum Beispiel http://www.coe.int/education/roma). Markus End hielt einen Vortrag über Stigmatisierung, Stereotype, Rassismus und Xenophobie in Europa. Der Vortrag zeigte auf, dass die Stereotype, die die Mehrheitsgesellschaft über eine bestimmte Gruppe hat, meist unabhängig vom tatsächlichen Verhalten der Gruppe bestehen und dass Mitglieder der Gruppe, die die Stereotype nicht erfüllen, entweder nicht als zugehörig erkannt oder als Ausnahmen definiert werden. Am Beispiel des Kosovos wurde beschrieben, welche Konsequenzen solche Vorurteilsstrukturen für die Betroffenen haben können und dass so die Gefahr besteht, dass allein durch die Existenz der Stereotype, die Vorurteile Wirklichkeit werden.

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Zuletzt diskutierten wir in kleineren Arbeitsgruppen, die von Piotr Trojanski (PhD – Institute of History, Pedagogical University of Cracow), Anna Sommer, (MA – Chair of Judaic Studies, Jagiellonian University) und Martyna Gradzka (MA – Institute of History, Pedagogical University of Cracow) geleitet wurden, über die vergangenen Tage und erstellten Plakate darüber, warum die Erinnerung an die Verfolgung der Sinti und Roma so wichtig ist und wie diese Erkenntnis in Aktionen und durch Bildung umgesetzt werden könnte. Es ist erschütternd, dass die gleichen Stereotype gegenüber Sinti und Roma, die bereits vor der Nazizeit existiert und erst die Grundlage für ihre Verfolgung gebildet hatten, auch heute noch weit verbreitet sind.

Am Ende wurden die Ergebnisse von allen vorgestellt und es liegt nun in der Hand der einzelnen Teilnehmer_innen ihr Wissen weiter zu verbreiten und in Projekten auf lokaler Ebene umzusetzen. Die Notwendigkeit, den Vorurteilen entgegen zu wirken und ein größeres Bewusstsein für die Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma zu schaffen, war uns, denke ich, in den vorausgegangenen Tagen mehr als deutlich geworden.

von Anna Maria Reinking

Weitere Informationen über die Geschichte der Roma während der Herrschaft der Nationalsozialisten finden Sie auf der Webseite des Projekt Roma Center Göttingen e.V.
http://www.roma-center.de/roma/1939.htm

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