Offener Brief einer Roma Aktivistin an thüringer Ausländerbehörden gegen Abschiebungen [Dt/Serb/Eng]

01/10/2013 11:40 0 comments

5_fhdr

Die Gruppe fight racism and isolation erklärt sich solidarisch mit der Aktivistin und Verfasserin des vorliegenden offenen Briefs! Veröffentlicht ihn auf den euch zur Verfügung stehenden Kanälen!

Dieser offene Brief wurde am Tag des Flüchtlings, am 27.09. 2013 an alle thüringer Ausländerbehörden geschickt, da viele thüringer Roma Familien akut von Abschiebung bedroht sind. Die menschenunwürdige Situation von Roma in den Herkunftsländern Kosovo, Serbien, Mazedonien, Albanien werden in Deutschland nicht als Fluchtgrund anerkannt. Wir bitten um eine Veröffentlichung und um Rückfragen an die Absenderadresse.
Mit freundlichen Grüßen,
die Initiative Roma Thüringen

Offener Brief an die Ausländerbehörden Thüringens

Sehr geehrte Damen und Herren,

Viele Grüße an die Ausländerbehörden von einer Aktivistin der Initiative Roma Thüringen.

Ich bitte euch, Sie müssen die Abschiebungen stoppen! Sie sagen, dass Roma klauen und lügen. Das ist falsch. Ich will sagen, dass ich nicht schlecht bin. Ich will nicht zurück, denn wir sind eine arme Familie. Sie haben die Probleme in unserem Heimatland nicht gesehen!

In unserem Heimatland herrscht jeden Tag Krieg. Dieser Krieg wird nicht mit Pistolen und Gewehren geführt. Trotzdem sterben dort täglich Menschen, weil sie sich gegenseitig bekämpfen. Außerdem finden wir als Roma keine Arbeit und wir haben keinen Zugang zum Gesundheitssystem. So sterben viele von uns an behandelbaren Krankheiten. Von dem Sozialsystem in unserem Heimatland bekommen wir 30 Euro pro Person, davon müssen wir aber auch ärztliche Behandlung und Medikamente zu einem großen Teil selbst bezahlen. Ich will euch fragen, wie wir unter diesen Umständen mit 30 Euro überleben sollen. Ich bin eine schwerkranke Mutter. Ich habe nur noch einen Sohn in meinem Leben. Mein anderes Kind ist in meinem Heimatland gestorben.

Ich bitte euch, uns nicht zurück zu schicken. Wenn sie uns zurück schicken wollen, werden wir dagegen öffentlich demonstrieren. Was Deutschland mit uns macht, schadet uns sehr. Seit fast einem Jahr leben wir zu siebt in zwei kleinen Zimmern in einem Lager für geflüchtete Menschen. Außerdem müssen wir uns ein Klo und eine Küche mit einer weiteren Familie teilen. Ich kann nicht verstehen, warum wir so leben müssen. Gibt es nicht genug Platz oder will die deutsche Politik, dass wir unter so schlechten Bedingungen leben sollen? Wir leben jeden Tag im Stress und in Angst vor der Abschiebung. Kann ein kranker Mensch so leben? Seit ich in Deutschland bin, geht es mir gesundheitlich noch schlechter als vorher.

Wir wollen in Ruhe und mit euch zusammen in Deutschland ein normales Leben führen. Wir fordern den sofortigen Stopp aller Abschiebungen und ich fordere Sie auf mir bis zum 07.10.2013 zu antworten. Wir warten auf eine Antwort per Post an:
Roma Thüringen
c./o. veto
Papiermühlenweg 33
99089 Erfurt

oder per E-Mail an:
aktivistin_roma_thueringen@yahoo.de

Viele Grüße, eine Aktivistin der Initiative der
Initiative Roma Thüringen

Pressekontakt: aktivistin_roma_thueringen @ yahoo.de

Otvoreno pismo za svih Ausländerbehörden u Tiringenu

Poštovane dame i gospodo,

puno pozdrava od jedne aktiviste inicijative Roma Thüringen za Ausländerbehörden.

Molim Vas da stopirajte deportacije!
Kažete da romi kradu i lažu. Nije istina. Hoću da kažem da nisam zla. Neću se vratiti, jer naša porodica je bedna. Vi niste videli probleme u našoj domovini!

U našoj zemlji ima rata svaki dan. Ovom ratom se ne bavi pistoljem i puškom. Uprkos toga umiru ljudi dnevno, zato što se bore jedan drugoga. Romi nemaju posao i nemaju pristup u zdravstenu zaštitu. Tako da mnogo od nas umiru zbog bolesti koju se može lečiti. Društevni sistem nas plati 30 Eura osobno, ali od lečenja i medikacije treba da platimo mi veći deo. Hoću da Vas pitam kako da preživimo u ovom sjučaju s 30 Eura? Ja sam ozbiljno bolesna majka. Imam samo jednog sina u mojem životu. Drugo dete je umrlo u mojoj domovini.

Zbog toga molim Vas da stopirajte našu deportaciju. Kad nas šaljete kući, mi ćemo protestirati protiv toga otvoreno. Jako nas šteti što Nemačka radi s nama. Od skoro jedne godine živimo u jednoj sobi sa sedam osobima u kampu
izbeglica. Osim toga treba da delimo toalet i kuhinju s drugom porodicom. Ne mogu da razumem zašto moramo da živimo tako. Nema li dosta mesta ili želi li nemačka politika da živimo u takvim lošim cirkumstancijima? Mi živimo svaki dan sa stresom I strahom od deportacije. Može li bolesni čovek da tako živi? Od trenutka kad sam stigla u Nemačku, moje zdravlje je gore nego ranije.

Mi želimo da živimo mirno zajedno s vama u Nemačkoj i da držimo normalan život. Zahtevimo neposredan stop svakih deportacija i zahtevim Vas da mi odgovorite do 7og oktobra 2013.

Očekivamo poštanski odgovor na:

Roma Thüringen
c./o. veto
Papiermühlenweg 33
99089 Erfurt

Ili mejlom na:
aktivistin_roma_thueringen@yahoo.de

Puno pozdrava, aktivista inicijative Roma Thüringen

Open letter to the immigration authorities in Thuringia

Ladies and Gentlemen,

Many greetings to the immigration authorities of an activist from the initiative Roma Thüringen.

I ask you , you must stop the deportations! You say that Roma steal and lie. This is wrong. I want to say that I ‚m not bad. I do not want to go back, because we are a poor family. You have not seen the problems in our home country!

In our country there is war every day. This war is not done with pistols and rifles. Nevertheless, people die there every day, because they fight each other. Moreover, we find no work as Roma and we have no access to health care. So many of us die from treatable diseases. Of the social system in our home country we get 30 euros per person, but we also have to pay medical treatment and medicines to a large extent ourselfes. I want to ask you, how we can survive under these circumstances with 30 euros.
I am a seriously ill mother. I have only one son in my life. My other child died in my home country .

I ask you not to send us back. If you want to send us back, we will demonstrate publicly against. The way Germany treats us causes a lot of damage to us. For almost one year we live with seven persons in two small rooms in a refugee camp. We also need to provide us a loo and a kitchen with another family. I can not understand why we have to live like this. Is there not enough space or wants the German policy, that we should live in such poor conditions? We live every day in the stress and fear of deportation. Can a sick person live like this? Since I ‚m in Germany, my health became even worse than before.

We want to live a normal life in peace and together with you in Germany.
We demand an immediate halt to all deportations and I urge you to answer me until 07.10.2013.

We are waiting for a response by mail to :
Roma Thüringen
c /o veto
Papiermühlenweg 33
99089 Erfurt

or by e-mail at :
aktivistin_roma_thueringen@yahoo.de

Best regards, an activist of the initiative of the Roma Thüringen

Press contact: aktivistin_roma_thueringen@yahoo.de

Leave a Reply


 

Weitere Nachrichten

  • News Unterstützt unsere gemeinsame Kampagne – Pass(t) uns allen

    Unterstützt unsere gemeinsame Kampagne – Pass(t) uns allen

    In Deutschland leben aktuell mehr als 11 Mio. Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. 1,5 Mio von ihnen haben keinen deutschen Pass, obwohl sie hier geboren sind. Zugleich liegt die Einbürgerungsquote mit unter 2% im unteren Drittel der EU. Wenn Menschen, die seit Jahren hier leben oder hier geboren sind, nicht vor Abschiebung geschützt sind, nicht wählen dürfen und in ihrem Alltag zahlreichen Beschränkungen unterliegen, ist das nicht nur ungerecht, sondern auch ein massives Demokratiedefizit! Auch angesichts rechtsterroristischer Anschläge und Alltagsrassismus ist […]

    Read more →
  • News 30.11.2022 Antirassistischen Demo anlässlich der IMK 2022 in München

    30.11.2022 Antirassistischen Demo anlässlich der IMK 2022 in München

    Mittwoch, 30.11.2022 – 18.00 Uhr – Geschwister-Scholl-Platz Welche Sicherheit? Wessen Sicherheit? Wir haben ein Sicherheitsproblem! Am 08. August 2022 erschießt die Polizei den 16-jährigen Mouhamed Lamine Dramé, der aus dem Senegal nach Deutschland geflüchtet war. Die Betreuer*innen seiner Jugendhilfeeinrichtung hatten die Polizei verständigt, um eine Selbstverletzung zu verhindern, da er sich in einer psychischen Krise befand. Als die Polizei eintraf, saß Mouhamed in einem Innenhof. Es ging keine Gefahr von ihm aus, trotzdem griffen die Polizist*innen ihn an und schossen […]

    Read more →
  • News Angriff auf Roma – 30 Jahre Pogrom von Rostock-Lichtenhagen. Demo am 27. August

    Angriff auf Roma – 30 Jahre Pogrom von Rostock-Lichtenhagen. Demo am 27. August

    Angriff auf Roma – 30 Jahre Pogrom von Rostock-Lichtenhagen. Demo am 27. August Im August 1992 haben Rechtsextreme und „besorgte Bürger:innen“ tagelang Geflüchtete, vor allem Roma, sowie vietnamesische Vertragsarbeiter:innen angegriffen und ihre Unterkünfte in Brand gesteckt. Dieser Pogrom war das Ergebnis der politischen und medialen Hetze gegen Geflüchtete Anfang der 1990er Jahre. Fokus dieser rassistischen Debatten waren Roma. In 2022 jährt sich dieser schlimmste Angriff auf Geflüchtete in der Nachwendezeit zum 30. Mal. Aus diesem Anlass findet am 27. August […]

    Read more →
  • Material News Stellungnahme des Bundes Roma Verbands zur Migrationspolitik der neuen Bundesregierung und zum geplanten „Chancen-Aufenthalt“

    Stellungnahme des Bundes Roma Verbands zur Migrationspolitik der neuen Bundesregierung und zum geplanten „Chancen-Aufenthalt“

    Mögliche Perspektiven oder weiterhin Aufenthalte auf Probe? Der Bundes Roma Verband begrüßt die Weiterentwicklung des Aufenthaltsrechtes und die neu geschaffenen Möglichkeiten für viele langjährig Geduldete in der Bundesrepublik Deutschland. Der BRV kritisiert aber die Nichtbeachtung der Interessen und der Situation vieler in Deutschland lebender Roma. Aufgrund der Desintegrationspolitik der letzten Jahrzehnte werden Langzeitgeduldete es auch weiterhin schwer haben, die geforderten Bedingungen zu erfüllen. Gleichzeitig wird es Ausländerbehörden nach wie vor leicht gemacht, die neuen Möglichkeiten für schutzsuchende Roma nicht anzuwenden. […]

    Read more →
  • Lebensgeschichte Material News spende Geflüchtete Roma aus der Ukraine in Polen Ein Reisebericht des Roma Centers

    Geflüchtete Roma aus der Ukraine in Polen Ein Reisebericht des Roma Centers

    Am 26. April fährt die Delegation des Roma Centers in Göttingen los und kommt um 3 Uhr morgens in Krakau an. Nach wenigen Stunden Schlaf treffen wir uns mit der Vorsitzenden und weiteren Ehrenamtlichen der polnischen Roma-NGO Harangos. In einem Hostel haben sie mehr als 100 Roma, überwiegend Frauen und Kinder, untergebracht, die aus der Ukraine geflohen sind und von den offiziellen Unterstützungs-Strukturen komplett im Stich gelassen wurden. Nachdem wir von ihrer desolaten Situation erfahren hatten, haben wir mit mehreren […]

    Read more →
  • Lebensgeschichte Material News Justice for Kosovo Roma. Kosovo Roma Rights Coalition bei EU Roma Week

    Justice for Kosovo Roma. Kosovo Roma Rights Coalition bei EU Roma Week

    Am 16. Mai ist International Roma Resistance Day. An diesem Tag fand 2022 die Eröffnung der EU-Roma Week im Europaparlament in Brüssel statt. Die Kosovo Roma Rights Coalition (KRRC), ein Zusammenschluss von Roma-Organisationen aus verschiedenen europäischen Ländern, hat dort die Veranstaltung »Justice for Kosovo Roma« durchgeführt. Die Veranstaltung wurde gestreamt, jedoch ist die Übersetzung der Beiträge von Romanes auf Englisch eher schwach, daher berichten wir hier ausführlich darüber. In Europa erleben wir derzeit einen Krieg, in dem Roma nicht nur […]

    Read more →
  • News Nie wieder Krieg! 7. und 8. Mai 2022: Demos zum Tag der Befreiung in Göttingen

    Nie wieder Krieg! 7. und 8. Mai 2022: Demos zum Tag der Befreiung in Göttingen

    Samstag, 7. Mai 2022 Demonstration um 14 Uhr am Gänseliesel, Göttingen. Vor wievielen Kriegen Roma geflohen sind, in wievielen Kriegen sie vertrieben wurden, können wir nicht mehr zählen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden 1,5 Millionen Roma und Sinti aus rassistischen Gründen verfolgt und ermordet. Der Porajmos, die Vernichtung der Roma im Zweiten Weltkrieg, war die bisher schlimmste Phase in der Verfolgungsgeschichte der Roma. Roma trugen einen bedeutenden Teil zur Befreiung bei. Sie kämpften in der Roten Armee, bei den Partisanen, […]

    Read more →
  • Lebensgeschichte Material News Bewegungsfreiheit und Schutz für Roma aus der Ukraine!

    Bewegungsfreiheit und Schutz für Roma aus der Ukraine!

    Nicht alle Roma verlassen die Ukraine und nicht alle werden Opfer diskriminierender Behandlungen. Doch die Berichte über Diskriminierung von Romnja* an den Grenzen nehmen zu. Sie werden nicht in Autos mitgenommen, Busunternehmen weisen sie ab. In den Ankunftsorten werden sie aus unerfindlichen Gründen von den „weißen“ Ukrainer:innen separiert. Auch in den Ankunftsorten in Deutschland gibt es Schwierigkeiten. Es braucht große Räume Überwiegend Frauen und Kinder sind auf der Flucht, mit Jugendlichen und manchmal pflegebedürftigen Angehörigen. Sie mussten sich von ihren […]

    Read more →