“Mein Herz ist ganz klein geworden” – Shani Haliti muss sich trotz langen Kampfes selbst deportiere

17/08/2017 17:38 0 comments

DSC_5445_fhdr

“Mein Herz ist ganz klein geworden” – Shani Haliti muss sich trotz langen Kampfes selbst deportieren.

Erfurt. Seit 2013 kämpft Shani Haliti für ein Bleiberecht für Rroma in Deutschland. Immer wieder hat er mutig und selbstbewusst, trotz schwerer psychischer Erkrankung, den grassierenden Rassismus und den uns Schweinchenrosa-Deutschen typischen Antiromaismus thematisiert:

Shani ist der letzte aus der Gruppe der mutigen Rroma, die Rassismus als alltäglichen Erleben angesprochen haben. Alle anderen sind bereits deportiert worden!

Die Sachbearbeiter*innen in den Erfurter Amtsstuben von Sozialamt, Ausländerbehörde, aber auch Meldebehörde, haben mit besonderem Ehrgeiz den rassistischen Konsens und die systematische Abwehr von Rroma auf dem Rücken von Shani Haliti und seinen beiden Söhnen ausgetragen: Zahlose Anträge auf Gewährung eines Aufenthaltsrechts wurden mit teils irrwitzigen Begründungen abgelehnt, Bemühungen um Arbeit oder Ausbildung durch die willkürliche Erteilung eines Arbeitsverbotes vereitelt, Härtefallersuchen und Petitionen vom Thüringen Innenministerium und Parlamentarier*innen im Schutz ihrer Anonymität verwehrt. Die frühere Wohnung der Familie wurde zerstört. Selbst der amtsärztliche Dienst der Stadt Erfurt versteigt sich bei der Feststellung der Deportatierbarkeit von Shani zu der Aussage: Ob Suizidalität im Herkunftsland gegeben ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Schickt aber vorsichtshalber einen Sanitäter mit!

Um für seine Söhne gut sorgen zu können und weniger auf starke Medikamente angewiesen zu sein, hätte Shani im September sogar eine tagesklinische Behandlung beginnen können. Es ist allein der ambitionierten Bereichsleiterin in der Ausländerbehörde Erfurt, Frau Trillhose geschuldet, dass Shani diese Möglichkeit nicht mehr haben wird. Frau Trillhose ist jahrelange Serbien-Abwehrspezialistin, knallhart und kommt sehr gern auch mal nachts dazu, um sicherzustellen, dass auch kein ärztliches Attest einer laufenden Deportationsmaßnahme im Wege steht. Sie verweigerte in zuletzt allwöchtentlichen Ersuchen um Aufenthaltsrecht zur Behandlung von Shanis Erkrankung sogar eine sog. Duldung, die sie aus Ermessen hätte erteilen können – allein der Name dieses Papiers ist eine Beleidigung für die Bemühungen von Shani und seine Söhnen, weiter ein fester Teil der deutschen Gesellschaft sein zu können!

“Ich habe Angst. Ich kann nicht mehr ertragen, in der Nacht darauf warten zu müssen, dass so viel Polizei in mein Zimmer kommt und uns mitnimmt. Ich kann nicht mehr.” Damit hat Shani die Entscheidung begründet, sich nun selbst zu deportieren. Nicht freiwillig, wie es amtsdeutsch heißt. Weil es für diejenigen, die nicht an ihrer Deportation mitwirken, nur erheblich reduzierte Sozialleistungen gibt, hat die Familie erst recht kein Geld übrig hat für die Zeit nach der Selbstabschiebung.
Deshalb fordere ich euch hiermit auf, euer Gewissen mit mir etwas zu erleichtern. Spendet auf folgendes Konto, damit ich es dann baldmöglichst nach Serbien transferieren kann. So soll die Familie zumindest einen Start hinbekommen in einem Land, dass die Söhne E. und E. gar nicht mehr kennen können. Denn auf der Flucht sind sie schon ihr halbes Leben.

Spendet jetzt:
Shani Haliti c/o Igor Böhm
IBAN: DE46 4306 0967 4031 0222 00
BIC: GENO DEM 1GLS
Verwendungszweck: Spende Shani
GLS Gemeinschaftsbank e.G.

Eine Spendenbescheinigung gibt es sicher nicht, aber vielleicht zumindest Karmapunkte. Leitet dieses Schreiben weiter oder nehmt mit mir Kontakt auf, wenn ihr wissen wollt! Verabschiedet euch noch schnell von Shani und den Söhnen!

In Solidarität mit allen Betroffenen des Deportationsregimes.

DE46 4306 0967 4031 0222 00
DE46 4306 0967 4031 0222 00
-- 
Igor Böhm-Demir

Mobil: +49 (0)171 6020 766

Leave a Reply


 

Weitere Nachrichten

  • News Unterstützt unsere gemeinsame Kampagne – Pass(t) uns allen

    Unterstützt unsere gemeinsame Kampagne – Pass(t) uns allen

    In Deutschland leben aktuell mehr als 11 Mio. Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. 1,5 Mio von ihnen haben keinen deutschen Pass, obwohl sie hier geboren sind. Zugleich liegt die Einbürgerungsquote mit unter 2% im unteren Drittel der EU. Wenn Menschen, die seit Jahren hier leben oder hier geboren sind, nicht vor Abschiebung geschützt sind, nicht wählen dürfen und in ihrem Alltag zahlreichen Beschränkungen unterliegen, ist das nicht nur ungerecht, sondern auch ein massives Demokratiedefizit! Auch angesichts rechtsterroristischer Anschläge und Alltagsrassismus ist […]

    Read more →
  • News 30.11.2022 Antirassistischen Demo anlässlich der IMK 2022 in München

    30.11.2022 Antirassistischen Demo anlässlich der IMK 2022 in München

    Mittwoch, 30.11.2022 – 18.00 Uhr – Geschwister-Scholl-Platz Welche Sicherheit? Wessen Sicherheit? Wir haben ein Sicherheitsproblem! Am 08. August 2022 erschießt die Polizei den 16-jährigen Mouhamed Lamine Dramé, der aus dem Senegal nach Deutschland geflüchtet war. Die Betreuer*innen seiner Jugendhilfeeinrichtung hatten die Polizei verständigt, um eine Selbstverletzung zu verhindern, da er sich in einer psychischen Krise befand. Als die Polizei eintraf, saß Mouhamed in einem Innenhof. Es ging keine Gefahr von ihm aus, trotzdem griffen die Polizist*innen ihn an und schossen […]

    Read more →
  • News Angriff auf Roma – 30 Jahre Pogrom von Rostock-Lichtenhagen. Demo am 27. August

    Angriff auf Roma – 30 Jahre Pogrom von Rostock-Lichtenhagen. Demo am 27. August

    Angriff auf Roma – 30 Jahre Pogrom von Rostock-Lichtenhagen. Demo am 27. August Im August 1992 haben Rechtsextreme und „besorgte Bürger:innen“ tagelang Geflüchtete, vor allem Roma, sowie vietnamesische Vertragsarbeiter:innen angegriffen und ihre Unterkünfte in Brand gesteckt. Dieser Pogrom war das Ergebnis der politischen und medialen Hetze gegen Geflüchtete Anfang der 1990er Jahre. Fokus dieser rassistischen Debatten waren Roma. In 2022 jährt sich dieser schlimmste Angriff auf Geflüchtete in der Nachwendezeit zum 30. Mal. Aus diesem Anlass findet am 27. August […]

    Read more →
  • Material News Stellungnahme des Bundes Roma Verbands zur Migrationspolitik der neuen Bundesregierung und zum geplanten „Chancen-Aufenthalt“

    Stellungnahme des Bundes Roma Verbands zur Migrationspolitik der neuen Bundesregierung und zum geplanten „Chancen-Aufenthalt“

    Mögliche Perspektiven oder weiterhin Aufenthalte auf Probe? Der Bundes Roma Verband begrüßt die Weiterentwicklung des Aufenthaltsrechtes und die neu geschaffenen Möglichkeiten für viele langjährig Geduldete in der Bundesrepublik Deutschland. Der BRV kritisiert aber die Nichtbeachtung der Interessen und der Situation vieler in Deutschland lebender Roma. Aufgrund der Desintegrationspolitik der letzten Jahrzehnte werden Langzeitgeduldete es auch weiterhin schwer haben, die geforderten Bedingungen zu erfüllen. Gleichzeitig wird es Ausländerbehörden nach wie vor leicht gemacht, die neuen Möglichkeiten für schutzsuchende Roma nicht anzuwenden. […]

    Read more →
  • Lebensgeschichte Material News spende Geflüchtete Roma aus der Ukraine in Polen Ein Reisebericht des Roma Centers

    Geflüchtete Roma aus der Ukraine in Polen Ein Reisebericht des Roma Centers

    Am 26. April fährt die Delegation des Roma Centers in Göttingen los und kommt um 3 Uhr morgens in Krakau an. Nach wenigen Stunden Schlaf treffen wir uns mit der Vorsitzenden und weiteren Ehrenamtlichen der polnischen Roma-NGO Harangos. In einem Hostel haben sie mehr als 100 Roma, überwiegend Frauen und Kinder, untergebracht, die aus der Ukraine geflohen sind und von den offiziellen Unterstützungs-Strukturen komplett im Stich gelassen wurden. Nachdem wir von ihrer desolaten Situation erfahren hatten, haben wir mit mehreren […]

    Read more →
  • Lebensgeschichte Material News Justice for Kosovo Roma. Kosovo Roma Rights Coalition bei EU Roma Week

    Justice for Kosovo Roma. Kosovo Roma Rights Coalition bei EU Roma Week

    Am 16. Mai ist International Roma Resistance Day. An diesem Tag fand 2022 die Eröffnung der EU-Roma Week im Europaparlament in Brüssel statt. Die Kosovo Roma Rights Coalition (KRRC), ein Zusammenschluss von Roma-Organisationen aus verschiedenen europäischen Ländern, hat dort die Veranstaltung »Justice for Kosovo Roma« durchgeführt. Die Veranstaltung wurde gestreamt, jedoch ist die Übersetzung der Beiträge von Romanes auf Englisch eher schwach, daher berichten wir hier ausführlich darüber. In Europa erleben wir derzeit einen Krieg, in dem Roma nicht nur […]

    Read more →
  • News Nie wieder Krieg! 7. und 8. Mai 2022: Demos zum Tag der Befreiung in Göttingen

    Nie wieder Krieg! 7. und 8. Mai 2022: Demos zum Tag der Befreiung in Göttingen

    Samstag, 7. Mai 2022 Demonstration um 14 Uhr am Gänseliesel, Göttingen. Vor wievielen Kriegen Roma geflohen sind, in wievielen Kriegen sie vertrieben wurden, können wir nicht mehr zählen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden 1,5 Millionen Roma und Sinti aus rassistischen Gründen verfolgt und ermordet. Der Porajmos, die Vernichtung der Roma im Zweiten Weltkrieg, war die bisher schlimmste Phase in der Verfolgungsgeschichte der Roma. Roma trugen einen bedeutenden Teil zur Befreiung bei. Sie kämpften in der Roten Armee, bei den Partisanen, […]

    Read more →
  • Lebensgeschichte Material News Bewegungsfreiheit und Schutz für Roma aus der Ukraine!

    Bewegungsfreiheit und Schutz für Roma aus der Ukraine!

    Nicht alle Roma verlassen die Ukraine und nicht alle werden Opfer diskriminierender Behandlungen. Doch die Berichte über Diskriminierung von Romnja* an den Grenzen nehmen zu. Sie werden nicht in Autos mitgenommen, Busunternehmen weisen sie ab. In den Ankunftsorten werden sie aus unerfindlichen Gründen von den „weißen“ Ukrainer:innen separiert. Auch in den Ankunftsorten in Deutschland gibt es Schwierigkeiten. Es braucht große Räume Überwiegend Frauen und Kinder sind auf der Flucht, mit Jugendlichen und manchmal pflegebedürftigen Angehörigen. Sie mussten sich von ihren […]

    Read more →