Gani Rama wurde in Priština zu Tode geprügelt

23/07/2019 17:06 0 comments
Gani Rama wurde in Priština zu Tode geprügelt
2019-07-23 18_04_13-Add New Post ‹ alle bleiben! — WordPressAm 20.7.2019 wurde Gani Rama, der viele Jahre in Göttingen gelebt hat, schwer misshandelt in einer Straßenunterführung mitten in Priština aufgefunden. In der Notaufnahme verstarb er an seinen Verletzungen, wie eine Zeitung berichtete. Ein Roma-Journalist aus Priština, den das Roma Center kennt, hat sich bei der Polizei erkundigt und erfahren, dass eine Überwachungskamera die Tat und den Täter aufgezeichnet hat. Wir warten ab, ob der Täter ermittelt und strafverfolgt wird. Unserer Erfahrung nach ist das häufig nicht der Fall. Der Journalist hat mit Ganis Mitbewohner gesprochen, der die Leiche identifiziert hat.
Gani Rama floh nach der Bombardierung Serbiens, dem so genannten Kosovokrieg, 1999 nach Deutschland. Hier lernte er seine Frau kennen, die seit 1990 in Deutschland lebte. Das Paar bekam fünf Töchter. Im Januar 2010 wurde Gani Rama zum ersten Mal verhaftet und in den neu gegründeten Staat Kosovo abgeschoben.
Dort erging es ihm sehr schlecht. Er wurde obdachlos und mehrmals verprügelt. Als das Roma Center ihn 2010 und 2012 in Priština besucht hat, erzählte er uns von Drohungen und Prügel durch Kosovoalbaner. Da er so oft angegriffen wurde, erwähnte immer wieder, dass er eines Tages umgebracht werde. Ein Nachbar drohte ihm: “Sehe ich dich nochmal auf der Straße, bringe ich dich um”. Gani ging zwar zur Polizei, bekam dort aber keine Hilfe, sondern nur Drohungen, dass man IHN einsperren werde, wenn er sich nochmal beschwert. Auch in den Asylverfahren nannte er die Drohungen als Grund, jedoch wurde ihm nie geglaubt. (Siehe „Tag 4“.)
Weil er im Kosovo nicht sicher war und zu seiner Familie zurück wollte, kam er nach mehreren Monaten illegal nach Deutschland zurück. Jedoch wurde er verhaftet, konnte aber nicht in Abschiebehaft gebracht werden, da er an lebensbedrohlicher Tuberkulose litt. Er blieb mehrere Monate in stationärer Behandlung, während am 12. April 2011 seine Frau mit ihren Töchtern alleine abgeschoben wurde. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde auch Gani abgeschoben.
Die Familie lebte unter schlimmen Bedingungen im Kosovo. Ganis Gesundheitszustand blieb schlecht, da seine Behandlung durch die Abschiebung abgebrochen wurde.
Ein weiterer Versuch erfolgte, in Sicherheit zu leben – die Familie kam zurück nach Deutschland. Am 24.5.2017 wurde Gani Rama erneut ins Kosovo abgeschoben. Seitdem hat er ohne seine Familie in Priština gelebt. Dort wurde unser Freund am 20.07 getötet. Unser Beileid gehört seiner Familie.
*
Öfter zeigt sich, dass das Leben von Roma in Kosovo nicht viel Wert ist. Erst vor kurzem wurde ein brutaler Angriff auf eine Roma-Frau gefilmt (hier ein Link zu dem gewalttätigen Video), während diverse Personen tatenlos zusahen.
Mehr zur Familie von Gani hier und hier.

RTK Nevipe hat Gani Ramas Nachbarn Hisni Musa interviewt. Hisni Musa sagt, Gani habe nie jemandem etwas Schlechtes getan. Nachmittags seien Polizisten gekommen und hätten gefragt, ob er Gani Rama kenne. Er sagte ja, und sie meinten, sie hätten ihn gefunden, er sei tot.
Hisni kritisiert den Mord: „Ein kranker Mann wurde angegriffen, und wir wollen, dass die Nationalität des Täters bekannt wird. Es war nicht das erste Mal, dass ein Rom getötet wurde, und dieser Ort ist nicht sicher für uns. Wir müssten unsere Koffer packen und weggehen. Aber wohin? Es gibt keinen sicheren Ort. Die Leute werden abgeschoben, aber es gibt hier keine Sicherheit für uns. Selbst im Haus können wir nicht in Sicherheit sein. Seht euch an, was mit Roma passiert. Wir müssen aufstehen und dürfen keine Angst haben, für unsere Rechte zu kämpfen.“
Die Polizei habe ihm mitgeteilt, niemand könne Ganis Leiche mitnehmen, bis die Familie käme. Die Polizei hat ihm ein Bild des Täters gezeigt, aber es war unscharf. Er soll nochmal hin, um sich die Videoaufnahmen anzusehen.
Verwandte von Gani sind inzwischen nach Priština gereist. Sein einziger Bruder konnte nicht anreisen, da er in Göttingen nur geduldet ist.

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